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#27

Wir sind Anfang Oktober in unser Haus im Dorf Maravovo, auf der Hauptinsel der Salomonen, Guadalcanal gezogen. Maravovo liegt etwa zwei Autostunden (50km) von der Hauptstadt Honiara entfernt. Das Haus, das wir bewohnen, war früher ein Gästehaus und bevor wir eingezogen sind, hat ein Diakonenehepaar darin gewohnt. Auf der Suche nach unserem zukünftigen Lebensmittelpunkt auf den Salomonen lernten wir diese junge Familie kennen.

 

 

 

Die Weathercoast von Guadlacanal ist, trotzdem sie auf der Hauptinsel der Salomonen liegt ein, eins der unzugänglichsten Gebiete der Erde. Die Weathercoast ist die Süd-Seite der Insel und kann mit dem Boot nur zu bestimmten Jahreszeiten angefahren werden. Es gibt keinen mit dem Auto passierbaren Weg von der Nordküste auf die andere Seite der Insel. Und das, obwohl der Wald auch hier billig abgeholzt wird (auch für uns in Deutschland [Verpackungen, Zeitschriften, Werbeprodukte, Toilettenpapier,…]) und es Holzfällerstraßen in der Regenwald gibt. Wer unbedingt auf die andere Seite muss, kann die Berge der Insel per Pedes in etwa drei Tagen überqueren. Das Boot kann nur bei gutem Wetter benutzt werden, doch die meiste Zeit im Jahr ist auf der anderen Küstenseite nur Wetter, ohne gutes. Daher auch der Name.

 

 

 

Ende Oktober hatte ich die Möglichkeit, den oben erwähnten Diakon in seiner Heimat an der Weathercoast zu besuchen. Er wurde vom Diakon zum Priester geweiht und viele aus unserem Dorf sind zu diesem Zweck auf die andere Seite gefahren. Einer dreistündigen Fahrt in einem Außenbordmotorboot, dem häufigsten Verkehrsmittel in den Gewässern der Salomonen, folgte ein zweistündiger Fußmarsch durch den Wald. Es ging durch Flüsse, schöne kleine Dörfer und dichten Wald. Der war allerdings nicht ganz so dicht. Der Grund dafür: Vor einigen Jahren gab es auf der Straße, auf der wir gelaufen sind, einen Traktor. Dieser ging aber kaputt und aufgrund fehlender Ersatzteile wurde der Betrieb eingestellt. Jetzt gibt es einen recht breiten Fußweg und Schubkarren, auf denen die Menschen ihre Waren, Gartenerträge und ähnliches transportieren. Natürlich auch zum Mieten.

 

 

 

Die Priesterweihe war ein wunderbares Fest. Es gab Schwein. Sechs Tage lang wurden Schweine herumgetragen (meistens von zwei jungen Männern, die das Schwein an eine Stange banden und es dann auf den Schultern trugen), ausgetauscht (ich hab schnell den Überblick verloren, wer wem welches Schwein gegeben hat), frisch zubereitet und natürlich gegessen.

 

 

Neben den Essen, gab es Tänze, die von verschiedenen Gruppen aufgeführt wurden. Und wir sind im längsten und breitesten Fluss der Insel schwimmen gegangen. Der Höhepunkt war natürlich die Zeremonie der anglikanischen Kirche, in der unser Diakon in der Priesterstand erhoben wurde.

 

 

 

Nach knapp einer Woche ging es dann wieder zurück. Natürlich mit dem Boot und einem Schwein für alle zuhause in Maravovo, die nicht an der Zeremonie teilnahmen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kerstin Heimer (Donnerstag, 15 Februar 2018 08:46)

    Hallo auf die andere Seite der Welt, liebe Familie Leuschner, vielen Dank, dass Ihr uns mit in eure so ganz andere Welt eintauchen lasst. Das macht mir bewusst, wie reich wir hier in Deutschland leben. Es ist ja nicht vorzustellen, dass ein ganzer Betrieb lahm gelegt wird, nur weil Ersatzteile fehlen.
    Eure Blumenkette zum Abschied hängt bei mir im Bad, so denke ich oft an Euch. Ich wünsche euch viel Kraft und viel Gesundheit und immer Gottes reichen Segen. Herzliche Grüße aus Osterholz-Scharmbeck von Kerstin