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Am Mittwoch dem 14. Dezember 2016 veröffentlichte das Osterholzer Kreisblatt folgenden Artikel über uns:

Junge Familie aus Osterholz-Scharmbeck zieht auf die Salomonen / Sprachforscher begleiten Bibelübersetzungen

Michael Schön 14.12.2016

 

Osterholz-Scharmbeck. Mangroven, Palmen, Ebenholz und Orchideen, Lagunen und Sandstrände als prächtige Übergänge ins türkisfarbene Meer – das westliche Bild von der Südsee ist ein idealisiertes und schwärmerisches. Nicht von ungefähr ist dieses Urlaubsparadies auch ein literarisch gern aufgesuchter Schauplatz. Wer hat nicht den als Fernseh-Mehrteiler verfilmten „Seewolf“ von Jack London gesehen? Die Leuschners aus Osterholz-Scharmbeck fliegen im Januar in die Südsee. Nicht um dort ein paar Wochen Urlaub zu machen. Sondern um dort für Jahre zu arbeiten. Im Luther-Jubiläumsjahr 2017 treten sie gewissermaßen in die Fußstapfen des großen Reformators, der vor etwas weniger als 500 Jahren die Übersetzung der Bibel ins Deutsche organisiert hat. Auch die Leuschners haben vor, weitere Menschen in die Lage zu versetzen, im Buch der Bücher zu lesen. Ihr neuer Arbeitsplatz sind die Salomonen, ein Staat im Südpazifik, der etwa 1000 Inseln und Atolle südöstlich von Neuguinea umfasst. „Die Übersetzung wird von den Einheimischen geleistet, doch wir begleiten den Prozess, vor allem indem wir Sprachforschung betreiben“, erklärt Friederike Leuschner.

 

Der Weg ist weit. Von der Mietwohnung in der Straße Hinter dem Bach in Osterholz-Scharmbeck bis nach Papua-Neuguinea, wo das Paar einen dreimonatigen Orientierungskursus absolvieren wird, sind es 15 000 Kilometer. Eine Reise also um fast den halben Erdball. Und in eine andere Welt. Das Bild vom tropischen Urlaubsparadies ist unvollständig, wenn nicht schief. Erdbeben kommen auf den Vulkaninseln gehäuft vor, auch Katastrophen des tropischen Klimas mit viel Feuchtigkeit und beständig hohen Temperaturen. Die neuen Bürger aus Osterholz-Scharmbeck werden mitten in der Regenzeit ankommen. Und es ist aus westlicher Perspektive betrachtet ein eher karges Leben, das ihre neuen Mitbürger auf der zum Commonwealth gehörenden Inselgruppe führen. Je nach Region ist es sogar sehr karg. Als Wohnstätten dienen sehr einfache Holzhäuser. „Die Wäsche wird im nächsten Wasserlauf gereinigt“, berichtet Friederike Leuschner. Strom und Wasser seien nicht immer vorhanden. Das Internet funktioniere etwa so wie im Europa der 1990er-Jahre.

 

Friederike Leuschner und ihr Mann Andreas zieht es mit Sohn  Malte in die Südsee. Dort helfen sie, die Bibel zu übersetzen. (Christian Valek)
Friederike Leuschner und ihr Mann Andreas zieht es mit Sohn Malte in die Südsee. Dort helfen sie, die Bibel zu übersetzen. (Christian Valek)

Rund 70 Sprachen im Inselreich

 

Doch sie sind überzeugt, dass es ihnen nicht schwerfallen wird, sich auf die Lebensweise der Salomonen-Bewohner einzustellen. „Dafür wird man ja auf andere Weise bereichert“, betont Friederike Leuschner. Die Menschen seien einander sehr zugetan, gastfreundlich und hilfsbereit. Die Behandlungskosten der Kranken trägt nicht die Versicherung, sondern die Großfamilie oder die Dorfgemeinschaft springen ein. „Der Zusammenhalt in der Gesellschaft ist dort sehr ausgeprägt. Sie haben wenig, aber sie teilen gern.“ Sie war schon in Mikronesien und hat dort schon erfahren, wie fremde Kulturen funktionieren. Die Sprachforscherin, die ein Masterstudium in Linguistik abgeschlossen hat und hebräische wie altgriechische Bibeltexte übersetzen kann, ihr Mann Andreas, der gelernter Altenpfleger ist, und der anderthalbjährige Sohn Malte werden voraussichtlich zunächst zweieinhalb Jahre auf den Salomon-Inseln leben. „Doch es gibt eine längerfristige Perspektive“, verrät ihr Mann. Was den kleinen Malte angeht, so besteht der Plan, ihn mit Material der Deutschen Fernschule durch die Grundschulzeit zu bringen.

 

Die Leuschners werden von Ende Januar 2017 an im Auftrag der Organisation Wycliff unterwegs sein. Wycliff ist der deutsche Zweig einer nicht-kommerziellen evangelikalen Organisation (Wycliffe Global Alliance), die sich für die weltweite Verbreitung der Bibel einsetzt. Sie ist benannt nach dem englischen Theologen John Wycliff, der als Erster die lateinische Bibel ins Englische übersetzte. In dessen Tradition will die Organisation erreichen, dass möglichst viele Menschen die Heilige Schrift verstehen. Sie lässt sie deshalb in viele Sprachen übersetzen. Die Arbeit wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Derzeit stehen nach eigenen Angaben über 5000 Menschen in Diensten der Organisation.

 

Da Menschen in Ozeanien auch unter deutschen Kolonisten litten und auch in diesem Winkel der Welt Gräueltaten im Namen der christlichen Kirche verübt worden sind, legen Friederike und Andreas Leuschner Wert auf die Feststellung, dass Wycliff keine missionarische Arbeit leistet. „Es wird interkonfessionell mit den einheimischen Kirchen zusammengearbeitet. Wir gründen keine eigenen Gemeinden.“ Über 33 Prozent der Staatsangehörigen sind Mitglieder der anglikanischen Kirche. Staatssprache ist Pidgin-Englisch, eine Behelfssprache, die sich unter kolonialen Bedingungen ausgebildet hat. „Es gibt rund 70 Sprachen auf den Salomonen. In etwa 20 davon sind bereits Bibelübersetzungen vorhanden.“ Wycliff hat eine Methode entwickelt, mit der man vor allem durch Interaktion mit den Muttersprachlern auch nicht verschriftlichte Sprachen lernen kann. Sie findet bereits häufig in der Arbeit mit Flüchtlingen Anwendung.

 

Die Adventszeit ist für die Eheleute Stress. Nicht weil sie wie viele andere Zeitgenossen noch hastig Weihnachtsgeschenke besorgen müssen, sondern weil zum Beispiel alle möglichen Impfungen zum Schutz etwa vor Cholera, Typhus und Hepatitis vorgenommen werden müssen. Auch Malaria ist auf den Salomonen sehr verbreitet. Nicht zuletzt muss der Haushalt aufgelöst werden. „Manches wird verkauft, vieles auch verschenkt“, sagt Andreas Leuschner. Großen Verzicht müssen sie nicht üben. Ein Fernseher zum Beispiel findet sich in der Wohnung der jungen Leute nicht. Sie bevorzugen für die Freizeitgestaltung „Carcassonne“. Dieses Brettspiel gehört für sie unbedingt ins Reisegepäck.

 

Schmerzlicher als materielle Verluste wird der Abschied von Verwandten und Freunden ausfallen. „Das ist schon schwierig“, gibt Andreas Leuschner zu. Doch Eltern und Großeltern hätten bereits viele ähnliche Erfahrungen hinter sich. Friederike Leuschners Geschwister sind „in der ganzen Welt unterwegs“. Und die Brüder ihres Mannes arbeiten in Thailand und Australien.

 

Die Leuschners werden am kommenden Sonntag, 18. Januar, im Rahmen eines Gottesdienstes von den Baptisten der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde feierlich verabschiedet. Er wird ab 10 Uhr in der Christuskirche, An der Handloge 19, abgehalten.

Einen Nachtrag gab es dann noch am 15. Dezember 2014:

Osterholz-Scharmbeck. Der Gottesdienst in der Osterholz-Scharmbecker Christuskirche, An der Handloge 19, in dessen Rahmen die Verabschiedung für Andreas und Friederike Leuschner vorgesehen ist, wird nicht am 18. Januar, sondern bereits am kommenden Sonntag, 18. Dezember, abgehalten. Beginn ist um 10 Uhr. Friederike Leuschner weist darauf hin, dass dort die Öffentlichkeit willkommen ist. Das für die Organisation Wycliff arbeitende Ehepaar lässt sich auf den Salomonen nieder, um dort an Bibelübersetzungen zu arbeiten.

Wir bedanken uns für den tollen Artikel und freuen uns, wenn viele am Sonntag, dem 18. Dezember zu unserer Verabschiedung kommen.

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